Bericht über die “BioBoden Genossenschaft” und den “Kattendorfer Biohof”

Bericht über die “BioBoden Genossenschaft” und den “Kattendorfer Biohof”

Am 15.11.23 hielt Jasper Holler, Vorstandsmitglied der Initiative „BioBoden Genossenschaft“ in der Filiale der nachhaltigen GLS Bank in Hamburg einen Vortrag. Außerdem sprach ein Gründungsmitglied des Kattendorfers Hof über seine Erfahrungen im Aufbau einer solidarischen Landwirtschaft (abgekürzt: SOLAWI genannt).

Da ich sehr beeindruckt war von den Inhalten der Vorträge und der Meinung bin, dass diese Inhalte unbedingt vielen Menschen nahe gebracht werden sollten, möchte ich hier mit meinen eigenen Worten und einigen Auszügen aus den entsprechenden Webseiten über die Vorträge berichten. 

1. Vortrag von Jasper Holler, Vorstand der „BioBoden eG“

Das Konzept von BioBoden ist ganz simpel: es soll so viel wie möglich Land (und Betriebe/Höfe) in Deutschland für eine dauerhafte ökologische Landwirtschaft und Förderung der Biodiversität gesichert werden. Das heißt konkret, das BioBoden:

– selbst ökologische Landwirtschaft betreibt
– Flächen auf Veranlassung von Landwirten kauft und sie an diese Landwirte verpachtet
– Betriebe (ökologisch und konventionell bewirtschaftete Betriebe) kauft und diese in unterschiedlicher Form an Landwirte zur ökologischen Bewirtschaftung und zur Umstellung übergibt
– Hilfestellungen für die Vermarktung der Produkte erbringt
–  Flächen erwirbt, um den Naturschutz, z.B. für seltene Vogelarten, zu sichern
– 
BioBoden stellt auch eigene Betriebsleiter für manche Höfe, wo der „alte“ nicht mehr will oder kann. Zum Teil werden die ehemaligen Betriebsleiter/Inhaber nach Übernahme (Kauf) des Hofes von BioBoden dann per Gehalt eingestellt. So Z.B. in der Pommerschen Höfegemeinschaft (Nahe Stettiner Haff), wo ein großer Hof so umgestellt wurde. 

Wie werden diese Vorhaben finanziert? Durch die Mitglieder der BioBoden eG, indem diese Genossenschafts-Anteile kaufen, mindest Anteil = 1000 €. Man haftet nur mit seinem Anteil, es gibt keine Nachforderungen. Empfohlen wird, 3000 € zu investieren und zwar für 2000 Quadratmeter. Die Zahl 2.000 m² ist eine Orientierungsgröße, die überhaupt zur Ernährung eines Menschen zur Verfügung steht. 

Kauf von Land und Boden: Auf Grund der begrenzten Menge an Land und der zunehmenden Spekulationen auf Boden/Land wird es immer schwerer Boden/Ackerland zu erwerben, weil die Preise oft höher sind als die Ertragsmöglichkeiten.  Daher erwirbt BioBoden nur Land/Betriebe, die sich im angemessenen Kostenrahmen bewegen. Auch erwerben sie nicht selbst aktiv Land, sondern die Interessenten kommen auf sie zu. Aus dem gezeichneten Genossenschaftskapital können sukzessive landwirtschaftliche Flächen und Betriebe erworben werden.Es gibt aber auch Schenkungen oder es wird Land an BioBoden vererbt. Seit der Gründung haben BioBoden mit ihren ca. 60 Millionen Euro Genossenschaftaskapital ca. 4500 Hektar Land gesichert und fast 6850 Mitglieder haben bisher Genossenschaftsanteile gezeichnet (Stand 2023).

Organisationsstruktur/ Mitbestimmung: Wie jede Genossenschaft hat auch BioBoden neben dem zweiköpfigen Vorstand einen Aufsichtsrat, der die Arbeit des Vorstands und seines Teams begleitet. Die Mitglieder der BioBoden Genossenschaft treffen sich einmal im Jahr zur Generalversammlung.  Dabei hat jedes Mitglied eine Stimme – unabhängig von der Anzahl seiner Anteile, also des eingebrachten Kapitals.

Historisches: BioBoden ist eine Ausgründung aus der GLS Bank und wurde 2015 gegründet. Historisch gesehen wurde 1993 mit den GTS Landwirtschaftsfonds die Sicherung von Land begonnen. Im Jahr 2009 kam dann die BioBodenGesellschaft (ehemals BioBoden Fonds) hinzu, deren Auftrag es ist, auf Wunsch von Landwirten Land zu kaufen und dieses an sie zu verpachten. 

Unterstützung: Jasper Holler hat zum Schluss seines Vortrags betont, dass BioBoden nur dann Land erwerben kann, wenn sie auch genug Geld haben. Daher ist sein Apell an seine Mitbürger, dass sie möglichst viele Anteile zeichnen. Man kann ja schon mit dem Mindestanteil von 1000 € helfen, Land für zukünftige gesunde Lebensmittel und Biodiversität dauerhaft zu sichern. 

Adresse und Kontaktdaten: BioBoden Genossenschaft, Motto „Ackerland in Bürgerhand“, Dorfstraße 5817321 Rothenklempenow0234-414702 – 00 info@bioboden.de, https://bioboden.de

2. Vortrag von Mathias v. Mirbach, Mitgründer des „Kattendorfers Hofs“

Mathias v. Mirbach, ein bodeständiger, erfahrener und  sympathischer Landwirt, hat auf sehr spannende Weise von seinen Erfahrungen der Entstehung des Kattendorfers Hof im Norden von Hamburg und dem Aufbau der solidarischen Landwirtschaft berichtet. 

1995 hat Herr v. Mirbach und andere den Kattendorfer Hof, der vorher konventionell bewirtschaftet wurde, übernommen. Der Hof war in einem desolaten Zustand und es war sehr viel Arbeit, diesen Hof zur Demeterqualität umzustellen. Es stellte sich heraus, dass sie nicht von dem Einnahmen aus der Landwirtschaft den Hof wirtschaftlich betreiben konnten. Immer wieder experimentierten sie daher mit neuen Ideen, dazu gehörte auch die Gründung eines Hofladens, welches aber leider auch nicht die endgültige Lösung brachte. Bis Herr v. Mirbach ca. 1998 die Idee hatte, Menschen bzw. Kunden anzusprechen, ob sie bereit sind, als Mitglieder mit einem monatlichen festen Beitrag den Hof zu unterstützen. Sie würden dafür dann einen monatlichen Ernetanteil bekommen. Diese Idee wurde begeistert aufgegriffen uns der Mitglieder wuchs in den Jahren darauf rasant. Mit dieser genialen Idee  hat im Grunde genommen Herr v. Mirbach das heute bekannte Modell der „Solidarischen Landwirtschaft“ (SOLAWI) ins Leben gerufen und bis heute immer weiter ausgebaut. 

Der Hof trägt sich seitdem schon lange selbst, aber für neue Projekte und dem Zukauf von Land oder Betriebsinventar brauchten sie finanzielle Hilfe, da sie selbst nicht genügend Eigenkapital hatten. Die Hilfe kam vom BioBoden, daher ist BioBoden beim Kattendorfer Hof seit einiger Zeit Anteilseigner.

Herr v. Mirbach schilderte über die zahlreichen Hindernisse, vor denen sie im Laufe der vielen Jahre immer wieder standen, aber sie konnten sie immer wieder auf kreative Weise lösen. Hierbei hat geholfen, dass er und seine Mitstreiter sich mit Herzblut und Leidenschaft für die solidarische und ökologische Landwirtschaft eingesetzt und nie aufgegeben haben. Zurzeit findet ein Generationenwechsel auf dem Hof statt und Herr v. Mirbach freut sich, dass es sehr engagierte und junge NachfolgerInnen bereits gibt. Somit hat sich der Hof zu einer Art Lebensgemeinschaft entwickelt, wo jung und alt in Eintracht zusammen leben und arbeiten. 

Hier nun ein paar Fakten zum Hof.  Dazu ein Zitat aus der Webseite https://kattendorfer-hof.de/

„Der Kattendorfer Hof liegt etwa 35 km nördlich von Hamburg. Seit 1995 ist der Hof eine Betriebsgemeinschaft nach Demeter-Richtlinien. Wir arbeiten als Solidarische LandwirtschaftMit FoodCoops und dem Einkaufen in unseren Hofläden ermöglichen unsere Mitglieder und KundInnen mit uns gemeinsam die Bewirtschaftung des Hofes. Wir bewirtschaften mit mehr als 80 Menschen 455 Hektar, haben Kühe und Schweine. In der Hofkäserei verarbeiten wir die Milch unserer Kühe zu verschiedensten Produkten. Auf dem Feld wachsen Dinkel, Kartoffeln und andere Feldfrüchte. In der Gärtnerei wächst viel unterschiedliches knackiges Gemüse.

Wir arbeiten mit verschiedenen regionalen Kooperationsbetrieben, sodass wir auch heimischen Honig, Brot lokaler Bäckereien, Obst aus der Region u.a. anbieten. 
Besonders wichtig sind uns neben der Demeter-Landwirtschaft die Regionalität unserer Produkte, das Angebot der saisonalen Lebensmittel, angemessene Bedingungen für Mensch- und Tier, die Nachhaltige Bewirtschaftung unserer Flächen und die Rücksichtnahme auf den Naturschutz, sowie kurze Produktions- und Lieferweg“

Da der Kattendorfer Hof auf dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft und dem damit verbundenen Ernteanteil basiert, möchte ich hierauf näher eingehen: 

Ernetanteil: Es gibt verschiedene Möglichkeiten an Ernteanteilen, die den unterschiedlichen Interessen der Mitglieder entsprechen:  
Ernteanteil mit Gemüse, Milchprodukten und Fleisch / Ernteanteil mit Gemüse und Fleisch / Vegetarischer Ernteanteilen / Pflanzlicher (veganer) Ernteanteil (von allen genannten Anteilen kann man auch nur halbe Mengen bekommen)
Monatliche Preise für den Ernteanteile:  von 70 € bis 250 €

Die Mitglieder von SOLAWI haben mehrere Möglichkeiten ihren wöchentliche Ernetanteil zu erhalten:

1. Hofläden. Natürlich kann man direkt den Ernteanteil im wunderschönen Kattendorfer Hofladen oder dem Bad Oldesloer Hofladen abholen. Aber es gibt noch weitere  Hofläden:  in HH-Eimsbüttel / HH-Barmbek /

HH-Schanze / HH-Othmarschen / Gut Neverstaven / Pergolenviertel
(Nähere Infos und Adressen findet man auf deren Webseite https://kattendorfer-hof.de/hoflaeden/)

2. FoodCoops: Dann gibt es noch die Möglichkeit der FoodCoops, um seinen Ernteanteil zu beziehen. Zu den FoodCoops kann man auf der Webseite  https://kattendorfer-hof.de/foodcoops/ folgendes lesen:
„Die FoodCoops sind sehr unterschiedlich. Die Abholstellen (Räume) der FoodCoops sind teils einfache Kellerräume in Einfamilienhäusern, teils größere Räumlichkeiten. Das Besondere ist, dass die Menschen in Eigeninitiative die Verteilung der Lebensmittel übernehmen. So liefern wir vom Hof die vereinbarte Menge an Hofprodukten. Also Kartoffeln und Gemüse, Fleisch und Wurst, Getreide und Milchprodukte. Es werden keine Kisten für die einzelnen Haushalte zusammengestellt. Alles kommt in großen Mengen an. Die Verteilung regelt dann die Gruppe untereinander“. 

FoodCoops findet man an verschiedenen Orten: in HH-St. Pauli / Halstenbek / Klein Borstel (Sodenkamp) / Linde 3000 / HH-Norderstedt / HH-Ottensen / Pinneberg / Quickborn

(Nähere Infos und Adressen findet man auf deren Webseite https://kattendorfer-hof.de/foodcoops/)

Erntehelfer: Außer als zahlendes Mitglied kann man sich auch noch auf andere praktische Weise im Kattendorfer Hof einbringen. Z.B. als Erntehelfer. Im April gibt es immer einen Aufräumtag und im Sommer das Erdbeerfest.  Besonders Hilfe benötigt der Kattendorfer Hof beim Zwiebelernten und der Möhrenernte. Genaue Termine sollte man aber vorher telefonisch erfragen.

Adresse und Kontaktdaten: Kattendorfer Hof (Demeter), Dorfstraße 1a, 24568 Kattendorf  (Nähe Kaltenkirchen, im Norden von Hamburg), 04191 – 90 94 36, kontakt@kattendorfer-hof.dehttps://kattendorfer-hof.de

Fazit/Abschlussworte
Die Arbeit von BioBoden eG ermöglicht gerade jungen und engagierten nachhaltig und  ökologisch orientierten Landwirten überhaupt Landwirtschaft aktiv zu betreiben. Denn die meisten von ihnen haben zwar Leidenschaft und Visionen, aber i.d.R. kein oder zu wenig Eigenkapital, um einen landwirtschaftlichen Betrieb bzw. Ackerland zu erwerben. Hier schließt BioBoden wunderbar eine Lücke und trägt somit dazu bei, die Versorgung mit nachhaltigen und gesunden Lebensmitteln dauerhaft zu gewährleisten. Aber ohne engagierte Landwirte, wie z.B. Mathias v. Mirbach, die allen Widerständen zum Trotz beharrlich sich für die Vision einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft einsetzen, wäre auch der größte Landerwerb nur die halbe Miete. Beide, BioBoden und solche Landwirte, wie Mathias v. Mirbach, ergänzen sich somit optimal. 

Aber ohne den Bürger bzw. Kosument, der solche Initiativen wie BioBoden mit ihrer finanziellen Unterstützung und Landwirten, wie z.B. Mathias v. Mirbach, mit ihrem Einkauf der ökologischen Produkte unterstützt, wäre der Erfolg von BioBoden und dem Kattendorfer Hof nicht denkbar. Daher verstehe ich meinen Bericht auch als Anregung und Aufruf, sich in Zukunft noch mehr durch den Einkauf von ökologischen landwirtschaftlichen Produkten und durch finanzielle Zuwendungen an Intiativen wie BioBoden eG zu beteiligen. Selbst wenn man wenig oder gar keine Mittel zur finanziellen Unterstützung hat, besteht ja immer noch die Möglichkeit, mit seiner Tatkraft zu unterstützen, z.B. als Erntehelfer auf einem Biohof. Nur mit der Beteiligung vieler wird ein langfristiger und umfassender Wandel in der Landwirtschaft möglich sein. 

Der Bericht wurde am 16.11.2023 von Ralf Manthey, ralf-manthey@online.de, verfasst