Ist SUV heilbar?

SUV-Plakat

„Ist SUV heilbar?“ fragte mich neulich eins der vielen auf einer Fridays for future-Demo gezeigten Plakate in Hamburg. Fast habe ich den schönen Spruch schon wieder vergessen als mich heute morgen auf dem Weg zur Arbeit mein Linienbus an einem großen SUV-Werbeplakat im Vorgarten eines ortsbekannten Autohändlers, der hier lieber nicht genannt werden soll (die SUVs der anderen Händler und Hersteller sind nicht besser oder schlechter), vorbei chauffiert.

„Ist SUV heilbar?“ saust mir da die Frage wieder durch den Kopf. Ja, es könnte sich um eine schlimme, grassierende Krankheit handeln, für die ein Impfstoff noch immer nicht gefunden wurde.

Gestern habe ich mitten in Hamburg an einer sechsspurigen Strasse direkt an einer Kreuzung eine ganze Weile auf jemanden warten dürfen. Was ist das eine Zumutung für die Leute, die hier direkt an dieser Strasse wohnen, dieser permanente Gestank der Abgase, dieser nicht enden wollende Lärm. Schrecklich!

Wenn man zum Beispiel auf den Bus wartend an der Strasse steht und in die vorbeifahrenden Autos schaut, sieht man darin selten mehr als eine Person, die sich, trotz dichten ÖPNV-Netzes (Öffentlicher Personennahverkehr) bemüssigt fühlt, lieber Teil des MIVs (motorisierten Individualverkehrs) zu sein. Und die Autos werden immer schwerer und größer damit sie all die gewünschten tollen Sicherheitsfeatures und mindestens den Komfort eines komplett eingerichteten Wohnzimmers mit sich herumschleppen können. Und ganz oben in dieser Hackordnung stehen die SUVs, die sogenannten Sport Utility Vehicles.

suv-Plakat

„Sport Utility Vehicle, abgekürzt SUV, oder Geländelimousinen sind Personenkraftwagen mit erhöhter Bodenfreiheit und einer selbsttragenden Karosserie, die an das Erscheinungsbild von Geländewagen angelehnt sind.“ erklärt mir Wikipedia. Und weiter: „Die Geländetauglichkeit ist von Modell zu Modell sehr unterschiedlich, Allradantrieb ist zum Beispiel bei diversen Modellen gar nicht lieferbar. Dies begründet sich aus dem Umstand, dass viele Fahrzeughalter ihre SUV überwiegend oder ausschließlich im Straßenverkehr nutzen. Auch die Serienbereifung der meisten SUV ist für ernsthaftes Fahren im Gelände kaum bis nicht geeignet.“ Also nix Sport, nix Gelände, einfach nur unsinnig riesig! Einsatzgebiete: Großstadt als Elterntaxi, Einkaufswagen und die Kurzstrecke zwischendurch und: Repräsentieren, so richtig zeigen, was wir uns leisten können. Überlandfahrt, Gelände? Oh, bloss nicht, der gute Lack könnte ja schmutzig werden und das wollen wir ja nicht.

Und davon gibt es dann aber gleich ganz viele: „In Deutschland wurden 2016 3.351.607 Pkw erstmals zugelassen; 715.268 davon (21,3 %) waren Geländewagen und SUV.“

Etwa achtzig Kilogramm Lebendgewicht werden mit fast zweieinhalb Tonnen Metall und Plastik umgeben und so unter reichlich Belastung der Umwelt von Ortsteil A nach Ortsteil B transportiert.

Auf dem Plakat beim Autohändler heißt es in der Bildunterschrift: „Ausdruck innerer Stärke“. Hübsches Wortspiel, so mit aus und in. Nach meinem Eindruck ist da keine Stärke drin. Irgendjemand ist da so schwach, dass er ein Exoskelett nötig hat. My car is my castle! Andere Menschen und Umwelt müssen draußen bleiben. Und die Tür bleibt zu, ganz wie bei der Burg im Hamburger Stadtwappen.

Ich suche spaßeshalber mal die zuständige Internetseite für den plakatierten Wagen auf. Hier haben sich die Marketing- und Werbefachleute des Herstellers, vor allem beim Zubehör, den Ausstattungsfeatures so viel Tolles zusammengeschwurbelt, dass es einem beim Lesen ganz schwindelig wird:
„Was sich unter der Motorhaube des neuen GLE alles verbirgt? Schauen Sie einfach nach und vergleichen Sie hier alle Daten und Fakten.“

Ich klicke mich gleich durch die erste angebotene Variante, natürlich die Version mit der größten, stärksten Maschine (hier nur in Auszügen zitiert):
„Technische Daten für GLE 400 d 4MATIC
Diesel, Automatik

243 (330) / 3600 – 4000 Nennleistung (kW [PS] bei 1/min) Hubraum 2.925 ccm
Zylinderanzahl 6
Kraftstoffverbrauch innerorts 8.9 l/100km

Leergewicht 2.265 kg
Fahrzeuglänge 4.924 mm
Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel 2.157 mm
Beschleunigung 0–100 km/h 5.7 s
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h“
Würde ich mit meinem Auto, das ich so selten wie nur möglich benutze, gegen diese Zahlen im Autoquartett antreten, hätte ich laut Zulassungsbescheinigung Teil I bei keinem der Kennwerte auch nur den Hauch einer Chance gegen diesen kranken Boliden wenn es um größer, schneller, mehr geht.

Aber erst jetzt drehen die Werbestrategen richtig auf, jetzt kommen die vielen tollen Pakete, die man dazubuchen kann:
„Mercedes-Benz Intelligent Drive, Aktiver Abstands-Assistent DISTRONIC, Fahrassistenz-Paket Plus, Geschwindigkeitslimit-Assistent, Verkehrszeichen-Assistent, Aktiver Spurhalte-Assistent, Totwinkel-Assistent, Park-Paket mit 360°-Kamera, ENERGIZING Komfortsteuerung, Konnektivität, MULTIBEAM LED Scheinwerfer, Akustik-Komfort-Paket, Night-Paket, Diebstahlschutz-Paket, KEYLESS-GO Komfort-Paket“, um nur einige zu nennen. (Die Preisliste, die zum Download angeboten wird, umfasst zweiundsechzig Seiten. Der Grundpreis für solch ein Fahrzeug beträgt 65.000€ bis 76.000€ inkl. MWSt. Und dann erst kommen all die tollen Ausstattungs- und Zubehörwunder noch oben drauf.)

„Unsere Highlights, für Sie kombiniert.“ heißt es dazu.
Und noch einmal das Wortspiel mit der durch das Fahrzeug zustandekommenden so sehr wünschenswerten Trennung des gefährlichen Außen vom so heimelig sicheren Innen: „Reagiert auf äußere Gefahren mit innerer Gelassenheit.“ Das hört und fühlt sich alles so gut an! Oh ja, das nehme ich! Einmal mit Allem, bitte! Muss man unbedingt alles haben! So wie man neuerdings bei einer Kreuzfahrt auf einem AIDA-Schiff auch eine Original-Almhütte an Bord erwartet.

Das Wort Umwelt, das Außen, das wir lieber einfach gänzlich ignorieren wollen, sucht man übrigens auf der Seite vergeblich.

Nun noch einmal die Frage: Ist SUV heilbar? Ich hoffe es. Undd zwar einfach durch Umdenken!

Text & Bild JK

Unser Permakultur- Garten: Die Versuche

Apfelbaum

Wie es genau begann, erinnere ich nicht mehr. Auf jeden Fall wurde uns klar, dass wir selbst mit unserem kleinen Garten plus Balkon tätig werden können. 

Mittlerweile gibt es vier kleine Teiche im Garten. Darin befinden sich kleine Fische, Amphibien und Wasserpflanzen. Auch Amseln erfrischen sich gern darin.

Teich mit Goldfischen

Gleich neben dem Insektenhotel gibt es einen Unterschlupf für Igel. (Leider wurden diese Angebote noch nicht angenommen.)

Insektenhotel
Igelunterschlupf

Das Apfelbäumchen (Goldparmäne) ist um die acht Jahre alt und hat mittlerweile einen festen Stand. In der blauen Tonne wird Regenwasser gesammelt.

Apfelbaum

Hochbeete haben wir schon zwei. Die Erde dazu kommt vom Kompost.

Hochbeet mit Tomaten
Hochbeet mit Kräutern

Auf dem Balkon ziehen wir verschiedene Pflanzen, auch um Bienen anzulocken.

Upcycling am Balkon

Im Freisitz haben wir vor, daraus ein Gewächshaus zu machen.

bunt bepflanzt

Rhabarber wächst gut und schmeckt gut.

Rhababerverarbeitung

Auch das Dach lässt sich bepflanzen. 

Vieles entwickelt sich, obwohl wir vieles noch herausfinden müssen.

Hilfe ist dabei auf jeden Fall:
Kurt Forster (2016): Mein Selbstversorger-Garten am Stadtrand. Permakultur auf kleiner Fläche

Text und Bilder: CF

Konsum – was macht glücklich?

Zähneputzen mit Birkenzucker

Wenn du dich in deiner Wohnung umschaust, was macht dich wirklich glücklich … der Flachbildfernseher, das Handy, der überfüllte Kleiderschrank?…. Wahrscheinlich machen sie dich nur einen kurzen Moment lang glücklich und werden dann zu normalen Gegenständen. Mit deinen Freunden und deiner Familie bist du bestimmt viel glücklicher. Hast du schon mal deinen Kleiderschrank aussortiert und dich anschließend befreit gefühlt? Oder hast du schon mal drüber nachgedacht, deinen Schrank auszusortieren, bist aber nicht dazu gekommen? Dann kann ich dir nur den Tipp geben, es kann total befreiend sein, dich von unnötigem Ballast zu befreien und diesen bei gemeinnützigen Organisationen für gute Zwecke abzugeben. Noch schöner ist es, wenn sich gar nicht wieder so viel Kleidung ansammelt, die nicht getragen wird. Statt mit Freunden shoppen zu gehen, ist mehr Zeit für schöne Erlebnisse, Freunde und Familie, gute Gespräche und zum Leben. Das kilngt toll, oder? Möchte dich in meine Gedankenwelt mitnehmen und dir Einblicke geben, welche Gegenstände des alltäglichen Lebens ich schon hinterfragt habe und mich gewundert habe, wie wenig sie mir genutzt haben.

Was hast du alles im Schlafzimmer stehen? Wahrscheinlich einen Kleiderschrank, so ist es zumindest bei mir. Nach meinem Auslandssemester kam ich mit zwei Koffern wieder nach Hause. Als ich dann gesehen habe, wie viele Hosen, Shirts, Pullis, Kleider, schicke Oberteile, Schaals, Mützen und so weiter ich zuhause hatte, hat sich diese Kleidung belastend angefühlt. Jede Kategorie bin ich durchgegangen und habe beschlossen, dass ein paar lange Hosen reichen sollten und ich die anderen spenden werde. Seit dem habe ich keine Hose gekauft und das soll erstmal so bleiben. Es fällt mir einfacher, mich zu entscheiden, was ich anziehen möchte, da nun meine Lieblingsstücke übersichtlich zusammenliegen, während ich vorher genauer hinschauen brauchte, was ich eigentlich im Schrank habe. Falls du dich oft fragst, was du anziehen möchtest und in einem vollen Kleiderschrank nichts findest, kann ich dir raten, Aussortieren ist gut investierte Zeit. Es befreit nicht nur den Kleiderschrank sondern auch den Kopf. Aber die größere Kunst liegt dann darin, nichts Neues zu kaufen. Falls ein Wechsel im Schrank stattfinden soll, lohnt sich ein Besuch einer Kleidertauschparty, da man dort aussortierte Kleidung mitbringt und mitnimmt, was einem gefällt. So kann sich kein Berg ansammeln.

Zähneputzen mit Birkenzucker

Wie schaut es im Badezimmer aus, hast du dort viele Plastikflaschen stehen oder schon deine DIY-Alternativen? Hast du dich schon mal gefragt, warum dein Körper Duschgel „braucht“? Bei mir ist diese Frage an mich selber schon eine Weile her, es war eine sehr Sinnvolle. Duschgel entzieht der Haut Fett, deshalb produziert diese wieder Fett, um den Verlust auszugleichen. Bei solchen Gedankenspielen überlege ich gerne, wie die Menschen früher wohl ausgekommen sind, als es noch kein Shampoo in bunten Plastikflaschen zu kaufen gab. Dabei erscheint es mir sinnig, dass der Körper viele (Pflege-)Produkte gar nicht braucht. Als ich begonnen habe meine Haut nur noch mit Wasser zu waschen, hat es sich am Anfang befremdlich angefühlt, aber nach einer Zeit habe ich die positiven Effekte wahrgenommen. Mein Körpergeruch hat abgenommen und ich fühle mich insgesamt sauberer. Mein Körper hat früher auf das Shampoo auf der Haut reagiert und sich gewehrt. Dadurch sind unschöne Gerüche entstanden. Ganz nebenbei sei hier erwähnt, dass ich die Zutatenliste auf der Packung nicht verstehe und entsprechend nicht mehr an meine Haut lassen möchte. Deo benutzte ich noch, aber nur das selbstgemachte mit Natron und lebensmittelechten Zutaten, ansonsten kommt eigentlich nichts an meine Haut. Da der Körper über die Haut Partikel aufnimmt und abgibt, möchte ich an meine Haut keine fragwürdigen Produkte mehr lassen, die anschließend in meinem Körper landen. Ähnlich schaut es bei mir mit dem Haare Waschen aus, das gestaltet sich allerdings etwas schwieriger. Je nach Region sehen meine Haare nach dem Waschen anders aus. Wenn ich mit dem Resultat nach dem Waschen nicht zufrieden bin, experimentiere ich gerne mit Roggenmehl, Essig oder Natron zum Waschen, jeweils natürlich mit Wasser vermengt. Pflegende Cremes habe ich früher schon fast nicht verwendet, da denke ich, dass mein Körper sich ohne viel Pflege von außen sehr gut mit Feuchtigkeit versorgen kann. Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk der Natur und kann manchmal echt mehr, als ich erwartet hätte. 😉 

Aber es gibt ja noch mehr im Badezimmer, machen wir mal mit der Zahnpflege weiter. Was benutzt du, um deine Zähne gesund zu halten? Klar, es gibt biologische Zahnpasta aus dem Bioladen oder die ganz „normale“ aus dem Drogerie- oder Supermarkt. Verstehen tue ich jedoch bei beiden die Zutatenliste nicht. Nach ein paar Recherchen im Internet und ein paar Experimenten, gefällt mir der Birkenzucker am besten zum Zähneputzen. Vor dem Zähneputzen tue ich etwas Birkenzucker in meinen Mund, warte bis sich die Körner aufgelöst haben und putze mir die Zähne. Mein Zahnarzt hat mir wie immer gesagt, dass meine Zähne gut und gesund aussehen, also sehe ich keinen Grund, warum ich zu normaler Zahnpasta zurückkehren sollte. Einen Tipp noch dazu, als sich meine Weißheitszähne letztes Jahr entzündet hatten, war ich kurz davor mir eine Zahnspülung aus dem Supermarkt zu holen, aber dann kam mir der Gedanke, dass hochprozentiger Alkohol keimtötend ist. Also habe ich meinen Mund nach dem Zähneputzen mit 40%igen- Alkohol gespühlt. Die Entzündung ist erfolgreich zurückgegangen und ich war happy. 

Wenn ich weiter ans Badezimmer denke, möchte ich kurz die Frauenhygiene erwähnen. Als ich das erste mal Tampons und Binden verwendet habe, war mir gleich unwohl bei dem ganzen Müll. Durch entsprechende Suchen bin ich auf Menstruationstassen und Stoffbinden gestoßen und werde nie wieder Einwegprodukte aus Watte verwenden. Die Handhabung ist die ersten Male gewöhnungsbedürftig und benötigt ein paar Informationen, aber danach geht es ganz schnell und einfach eine Menstasse zu wechseln. Im Urlaub habe ich deutlich weniger Gepäck und ich fühle mich umweltbewusster und freier. Um bei einem Frauenthema zu bleiben, das ist zwar bestimmt Ansichtssache, aber ich fühle mich ohne Schminke im Gesicht am wohlsten und freier. Je weniger Produkte ich kaufe, desto freier und unabhängiger vom Konsumismus fühle ich mich.

So nun habe ich genug von meinem Leben geschrieben und freue mich, falls du Inspirationen in meinem Text gefunden hast. Eine kurze Bemerkung zum Schluss. Das sind meine eigenen Erfahrungen und jeder Körper reagiert anders. Deshalb ist Nachmachen auf eigene Verantwortung.

Text & Fotos Elisabeth