Wie fühlst Du Dich?

Wie fühlst Du Dich?

Die Corona-Krise bewegt etwas in Dir, in mir, in uns. Wir fragen uns nun, wie geht es Dir damit? Was beschäftigt Dich?

Wir möchten eine kreative Auseinandersetzung mit dem Thema anstoßen und bitten Dich, uns ein Foto zu senden, dass Dein Gefühl oder Deine innere Welt zum Thema Corona widerspiegelt.

Unser leidenschaftlicher Hobbyfotograf hat bereits einige Eindrücke eingefangen. Mit zwei Fotos von ihm zu diesem Thema möchten wir die Aktion starten. Sobald wir mehrere Fotos erhalten haben, werden wir diese anonym oder auf Wunsch auch mit Namen in einem weiteren Blogbeitrag veröffentlichen.

Also was macht Corona mit Dir? Wir freuen uns auf ein Foto dazu von Dir bis zum 15.05.2020!

Herzliche Grüße und bleib gesund!
Ute & Susann für Wedel im Wandel

Fotos an: info(äd)wedel-im-wandel.de

…und übrigens frohes Osterfest! 😉

Fotos: JK, Text: SP

Im Fokus: ÖPNV in Wedel

Im Fokus: ÖPNV in Wedel

Wie sollte der ÖPNV in Wedel aussehen, damit wir das Auto häufiger stehen lassen?

Unsere “Wandelgruppe ÖPNV” hat sich Buslinien und Verbindungen in Wedel und Umgebung genauer angesehen. Die Eindrücke und Ergebnisse der Recherche wurden auf Plakaten festgehalten.

Als Online-Ausstellung möchten wir Euch das Ergebnis vorstellen und Euch einladen, weitere Vorschläge in den Ring zu werfen.

Passender Weise führt gerade der Kreis Pinneberg eine Online-Befragung zu diesem Thema durch. Eine Teilnahme ist noch bis zum 11.04.2020 möglich: https://www.umfrageonline.com/s/139a5db

Der Gang durch unsere Ausstellung kann beginnen:

Die Ausstellung endet an dieser Stelle mit der Frage: Hast Du weitere oder andere Ideen für einen besseren ÖPNV in Wedel? Wenn ja, bitte schreibe sie uns und nimm an der Umfrage des Kreises Pinneberg teil!

VIELEN DANK für Deinen Besuch der Ausstellung! Wir freuen uns auf Deine Ideen!

Plakate: Rosemarie für die Wandelgruppe ÖPNV

Kontakt für Ideen und Anregungen: info@wedel-im-wandel.de

Es könnte sein…

Es könnte sein…

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen, … es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückzuholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen, … es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. 

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt,… es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet,…es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet,… es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert, … es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,
– der die Erde aufatmen lässt,
– die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
– unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
– die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
– der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert,
– und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regeneration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir nicht bereit waren es selbst zu tun. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder!!!

Text: Tanja Draxler
https://www.tanjadraxler.com/blog/es-koennte-sein/

Fotos: Hände: JR, Blüten: SP

Rollentausch?

Rollentausch?

„Hier ruhet Ahlke Ahlke Pott
Bewahr my lefe Herre Gott,
As ick die wull bewahren
Wenn Du wehrst Ahlke Ahlke Pott
Und ick waehr leve Herre Gott.“








So steht es im Bad Doberaner Münster außen an der Rückwand des Chorgestühls, dort habe ich den Text im Urlaub, versteckt hinter davor aufgestellten Grabplatten, entdeckt. Es ist die Inschrift eines bescheidenen Grabmahls. Andere Grabmähler in dieser großen Kirche sind oft sehr imposant ausgestaltete Darstellungen der Verstorbenen.


Ich finde, über diesen kurzen Text der Inschrift kann man mal nachdenken. Verhält man sich gegenüber Anderen immer so, dass es einem recht wäre, müsste man plötzlich mit dem Anderen die Rollen tauschen? Die verstorbene Frau jedenfalls schien sich da ihrer Sache ziemlich sicherzu sein. Und Du?

Text und Foto: JK

Rückblick 2019

Rückblick 2019

Ein Jahr geht zu Ende und ein neues beginnt. Der Zeitpunkt des Jahreswechsels wird oft genutzt, um einmal inne zu halten und das alte Jahr Revue passieren zu lassen. Es kommen einem schöne Erinnerungen und auch Dinge, die nicht so gut gelaufen sind in den Sinn. Für viele ist es ebenfalls eine Zeit der guten Vorsätze für das kommende Jahr.

Wir, von Wedel im Wandel, haben ebenfalls einmal zurück geblickt auf das Jahr 2019 und uns tüchtig gefreut, was wir dann doch so geschaffen haben! Mit diesem Beitrag möchten wir Euch auf eine kleine Reise durch unsere Aktionen im letzten Jahr mitnehmen. Wir fangen einfach mal rückwärts an:

29. November

Einige Wedel-im-WandlerInnen sind bei dieser und auch schon vorherigen Demos der Fridays for Future Bewegung aktiv dabei.

23. November

Unsere Veranstaltung “Wertschätzen statt wegwerfen” mit vielen Mitmachaktionen in der Stadtbücherei Wedel

22. November

Im Wandelkino zeigten wir den Film RE:Think mit anschließender Diskussion

1. Oktober

Auf der 4. Wedeler Klimaschutzkonferenz leiteten wir einen Workshop zum Thema: Wie kann Wedel mit mehr essbarem Grün ausgestaltet werden?

1. September

Aktive Teilnahme am Sommerfest des Regionalparks Wedeler Au mit einer Mitmachaktion für Kinder

Blusen auf Bügeln

28. September

Es erfolgt die zweite Kleidertauschparty für Frauen, da die erste so großen Anklang fand!

Logo Wedel is(s)t regional in pink mit Beere

26. und 27. August

Wir beteiligen uns an dem Filmdreh für das Netzwerk “Wedel ist regional” und werden zu Laiendarstellern 🙂

16. Juni und die Woche davor:

Wedel-im-WandlerInnen treten für die Aktion Stadtradeln und auf der großen Fahrradsternfahrt zum Hamburger Rathaus kräftig in die Pedalen.

14. Juni

Es gibt den Film More than Honey in der Stadtbücherei Wedel zu sehen. Auch wieder mit anschließender Diskussion und es werden praktische Beispiele für einen bienenfreundlichen Garten gezeigt.

Installation von Wedel im Wandel

25. Mai

Wir präsentieren Wedel im Wandel mit einem Stand auf der Wedeler Kulturnacht in der Stadtbücherei.

Wedel im Wandel Präsentation im Regal

Mai und Juni

Wir gestalten ein Regalfach in Haspa Wedel und stellen Wedel im Wandel vor.

Kräuterhochbeet

22. Mai

Auf dem Spielplatz Anne-Frank-Weg wird ein Hochbeet gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Wedel und den Nutzern des Spielplatzes angelegt.

Müllsammeln am Elbhochufer

23. März

Wedel im Wandel ist tatkräftig bei der Aktion “Wir sammeln Müll für ein sauberes Schleswig-Holstein” dabei.

9. März

Die erste Kleidertauschparty für Frauen in der Stadtbücherei Wedel

Schild am Tor

2. März

Die Wandelgruppe “Wedel – genial, grün, eßbar” besucht den Permakulturgarten des TIFU im Volkspark Hamburg.

Ideensammlung Transition Town Workshop

16. – 17. Februar

Das Jahr beginnt mit einem zweitägigen Workshop der “Transition-Town-Bewegung” und der Frage, wie wir eine Umsetzung in Wedel gestalten können, in der VHS Wedel.

All diese tollen Veranstaltungen und Aktionen wären nicht möglich, wenn sich nicht das ganze Jahr über so viele aktive Menschen regelmäßig bei unseren Freitagstreffen und Treffen der einzelnen Wandelgruppen aktiv eingebracht hätten!

Es fällt mir auf: Diese Auflistung ist nicht vollständig! Wie viele Gespräche gab es, die hier nicht genannt sind. Dann wurde noch ein ganzer Nachmittag im November über Ziele von WiW diskutiert. Es nahmen immer wieder einige an Veranstaltungen unserer Netzwerkpartner teil oder unterstützten diese. Und unsere Wandelgruppen, die eher im Hintergrund aktiv sind sollen noch erwähnt werden: Unsere Kern- oder Orgagruppe, die Internetgruppe und unsere Beziehungsgruppe, die mit viel Zeit und Tatkraft in 2019 den Wandel in Wedel ein Stück weiter voran gebracht haben.

DANKE an ALLE für Euren Einsatz, die Welt ein Stück freundlicher und nachhaltiger zu gestalten!

Autor: SP

Das Problem mit dem Perfektionismus

Das Problem mit dem Perfektionismus

“Wenn du was machst, dann mach es richtig.”

“Allein wirst du die Welt auch nicht retten können.”

“Das Handeln des Einzelnen hat doch eh keine Auswirkungen. Da muss die Politik was ändern.”

Jeder, der sich mit dem Klimawandel, Umweltschutz oder ökologischer Lebensweise auseinander setzt, hat sicherlich einen, wenn nicht alle dieser Sprüche in irgendeiner Weise gehört. Ich auch. Teilweise hintereinander weg. Und dann? Dann kommst Du geknickt nach Hause, willst Dich nur noch unter der Decke verstecken und morgen nicht mehr aufstehen. Bringt ja eh alles nichts…

… aber das ist falsch! Stell Dir vor was wäre, wenn tausende, Millionen Menschen so denken würden wie Du – sei es, dass sie jetzt vegan(er) essen, nicht mehr fliegen, ihr Auto verkaufen, nur noch bio und fairtrade einkaufen möchten. Und jeder sagt ihnen: “Das bringt doch eh nichts!”. Und keiner von ihnen glaubt es. Auf einmal ist es nicht mehr der Einzelne, der handelt und versucht die Welt zu retten – sondern tausende. Tausende Autos weniger, tausende Fluggäste weniger, tausend Veganer (oder Vegetarier) mehr, die jetzt anderen davon erzählen können, dass das alles eigentlich gar nicht so kompliziert ist.

Aber wie ist die Reaktion der anderen? Nicht selten ein: “Gut, Du ernährst Dich jetzt vegan, aber vor Deiner Tür steht immer noch ein Auto.” Und schon wird aus dem Hochgefühl, mit dem Du von Deinen ersten zwei Monaten ohne Salami (die nicht so schwierig waren wie gedacht), ein schlechtes Gewissen, weil Du doch nicht genug tust.

Aber es ist genug. Gut, vielleicht ist es nicht perfekt, aber wer braucht schon perfekt? Wenn wir in allem, was wir tun, nach Perfektionismus streben würden, würden wir dann überhaupt jemals fertig? Natürlich muss doch eine gewisse Prise Motivation hinter Deinen Handlungen stehen, aber was ist schon perfekt? Wer entscheidet, wann was perfekt ist?

Niemand braucht perfekt, auch, wenn manche Berichte, Menschen oder soziale Netzwerke uns das gerne glauben machen wollen. Dazu gibt es die passende Aussage zum Thema Zero Waste: “Wir brauchen nicht einen, der Zero Waste perfektioniert hat. Wir brauchen viele, die Zero Waste unperfekt umsetzen!” Diese Aussage lässt sich meiner Meinung nach auf alle anderen Bereiche, die irgendwie mit nachhaltiger und ökologischer Lebensweise zusammenhängen übertragen. Denn dadurch erreichen wir in Summe viel mehr: viel weniger Müll, viel mehr Menschen, die darüber reden, viel mehr Menschen, die einen Weg “So kann es gehen” vor die Nase gesetzt bekommen.

Du möchtest Dich vegan ernähren, kannst aber auf den Käse auf der Pizza ab und an nicht verzichten? Dann tu es nicht. Achte darauf, was Du isst, aber wenn Du mal “sündigst”, gib nicht auf. Es ist mehr als andere tun.

Du fährst jeden Tag alles mit dem Fahrrad und Bus und Bahn, aber wenn das Wetter wieder fürchterlich norddeutsch ist, nimmst Du doch das Auto zum Einkaufen? Na und? Dann ist das halt einmal so. Frag vielleicht Deine Nachbarn, ob Du sie mitnehmen oder ihnen etwas mitbringen sollst. Dann lohnt sich das zumindest.

Du kaufst immer im Unverpackt-Laden oder auf dem Markt, aber gerade bist Du so müde, dass Du für morgen einfach nicht vorkochen magst? Auch, wenn das bedeutet, dass Du vielleicht Essen bestellen oder Dir etwas TO-GO mitnehmen musst? So ist das halt. In einigen Imbissen kannst Du mittlerweile Deine eigenen Behälter mitbringen – oder Du setzt Dich halt in das entsprechende Restaurant und isst da. Es gibt auch viele Möglichkeiten, wie Du Dir mittags in weniger als 10 Minuten ein leckeres, gesundes und Abfallsparendes Mittagessen zaubern kannst.

“Einfach mal anfangen” ist das Motto von Wedel im Wandel und das sollte einfach jeder mal ausprobieren. Denn sobald Du mit irgendetwas angefangen hast und merkst, wie einfach es ist oder auch dass es für Dich gerade nicht passt, kannst Du einfacher nach neuen Möglichkeiten suchen. Die eine Sache hast Du ja ausprobiert, wirst sie beibehalten oder eben nicht. Stück für Stück wächst Du in Dein nachhaltiges, ökologisches Leben und irgendwann wirst Du einen Stand erreicht haben, mit dem Du zufrieden bist. Denn das ist trotz Weltretter-Ambitionen das Wichtigste.

Lass Dich nicht unterkriegen von all denen, die sich nicht trauen anzufangen, und nicht verunsichern von all denen, die ihr Leben scheinbar schon perfektioniert haben. Irgendwann wirst Du einer Person begegnen, die sich freut, dass Du genauso handelst wie sie – oder die Du vielleicht sogar inspirieren kannst einfach mal anzufangen.

Text: JG

Es tut sich was

Es tut sich was

Wenn man jung ist, will man die Welt verändern. Das sagen die Erwachsenen manchmal. Und dann erzählen sie von Grenzen, an die wir stoßen werden. An Grenzen, an die sie gestoßen sind? Vielleicht. Grenzen, die uns aufhalten sollten? Herausforderungen, denen wir nicht gewachsen sind? Vielleicht.

Aber dann stehe ich in der Mittagspause in der Schlange vor der Essensausgabe und höre gleich zwei Schülerinnen nach ihrem veganen Mittag fragen. Und beide bekommen ihren Teller mit ihrer veganen Mahlzeit. Und alle haben gesehen, dass das geht. Dass man nur eine Nachfrage von einem klimafreundlicheren Mittag entfernt ist.

Dann fehlen Freitags auf einmal spürbar viele Schüler und jeder weiß, wo sie sind. Auf den „Fridays For Future“ Demonstrationen. Und zur gleichen Zeit sitzen Mengen an Schülern in den S-Bahnen, mit bunten Plakaten und freuen sich über erstaunte Gesichter von unwissenden Passanten. Sie freuen sich, weil sie merken, wie merkbar sie sind.

Dann ist im Klassenraum der Ärger auf einmal groß, wenn das Licht oder der Beamer über Nacht an war. Und es sind nur selten die Lehrer denen das auffällt. Wir sind es. Die Schüler.

Dann wird beim Einkaufen für das Wochenende auf einmal nicht nur auf den Preis geachtet. Jutebeutel sind jetzt angesagt, Plastiktüten ernten böse Blicke. Second-Hand Kleidung, Zahnputztabletten, kein Palmöl, wie machen wir das eigentlich Weihnachten?

Dann öffnen sich auf einmal Türen. Und nicht jeder geht durch. Zu wenige gehen durch. Und wir können auch nicht durch alle Türen gleichzeitig gehen. Und durch manche auch gar nicht. Aber die Türen sind geöffnet. Weil wir die Türen geöffnet haben.

Wenn man jung ist, will man die Welt verändern. Ja, wir wollen die Welt verändern. Und wir haben schon angefangen damit.

Ich glaube, für uns ist das einfacher. Das einfach mal anfangen. Einfach mal kein Fleisch essen. Einfach mal nicht das Shampoo in der Plastikflasche kaufen. Vielleicht, weil wir noch ein bisschen naiver sind. Weil wir noch daran glauben, eine Veränderung bewirken zu können. Weil wir erst in wenigen festgefahrenen Strukturen hängen. Weil wir eine Zukunft für unsere Kinder brauchen. Weil wir vor gar nicht so langer Zeit selber noch Schneemänner gebaut haben. Weil in uns noch immer so ein großer Wunsch nach weißen Weihnachten ist. Weil uns der Raum gegeben wird, in der Schule, um zu diskutieren. Zu inspirieren. Zu lernen, voneinander und miteinander. Weil wir noch gar nicht so richtig angefangen haben zu leben. Selbstbestimmt zu leben. Und weil wir, wenn wir anfangen, alles richtig machen wollen.

Das ist nur ein ganz persönlicher Eindruck. Eine Meinung. Meine Meinung. Aber damit hat es doch angefangen, oder? Mit Meinungen und Stimmen, die laut geworden sind. 

„Wir verramschen Lebensmittel.“

„Wir verramschen Lebensmittel.“

Oft schaffe ich es nicht mit einem Hechtsprung binnen Sekunden am Radio zu sein, um es auszuschalten, wenn dort ein Block mit Radiowerbung beginnt. Ich mag diesen Psychoterror nicht und schalte deshalb dann lieber ab. Sehr oft werden in den dann laufenden Spots Lebensmittel zu unglaublich niedrigen Preisen angeboten. Jetzt nur 69 Cent!! Jetzt noch billiger! Dauertiefpreise! Ich denke dann: Dieses pflanzliche oder tierische Lebensmittel hat also ein Bauer irgendwo auf der Welt mit Mühe erzeugt, ihr habt ihn dafür so schlecht bezahlt, dass sein Betrieb gerade mal knapp überleben kann und dann stellt ihr euch hin und verramscht dieses Lebensmittel zu Niedrigstpreisen? Ich finde das widerwärtig. Das, wovon wir alle uns ernähren wird zur Billigstware degradiert, nur um uns zum Konsum in die Geschäfte zu locken. Kein Respekt vor den Landwirten und den Lebensmitteln selbst. Dabei ist es meist nur ein einziges Produkt, dessen Billigstpreis da von einer großen Handelskette beworben wird. Denn nur diesem einen Produkt haben sie diesen Preis unter Wert gegeben um uns in die Läden zu locken. Ihr Kalkül ist es natürlich, uns damit in die Läden zu locken und dann zu hoffen, dass wir neben dem beworbenen Produkt noch viele andere, teurere Produkte kaufen und das superbillige Produkt so nicht zu einem finanziellen Verlust für den Händler führt. Was aber den Konsumenten im Kopf hängen bleibt, ist der super niedrige Preis des einen Produkts.

Durch permanente Wiederholung über den Tag verteilt in jedem Werbeblock bohrt sich die Botschaft des Werbespots in den Kopf und wird dort unfreiwillig abgespeichert. Das aber aus der Summe dieser Botschaften resultierende Gefühl beim Konsumenten ist dieses: Lebensmittel sind so billig, sie sind es nicht wert, sich darüber einen Kopf zu machen. Erst in diesem Lichte erscheinen dem Konsumenten dann Preise für Lebensmittel im Bio-Laden als viel zu teuer.

Sollte man mal über ein Verbot solcher allein den niedrigen Preis bewerbenden Werbespots nachdenken? Sollen die Handelsketten doch stattdessen mal mit anderen Merkmalen ihrer Produkte werben. Jetzt noch gesünder hergestellt, jetzt mit noch kleinerem ökologischem Fußabdruck, Produkte aus ihrer Region, noch frischer, noch leckerer… Vielleicht würde uns Konsumenten dann aufgehen, dass ein Lebensmittel neben dem Preis auch noch andere Merkmale hat und die Wertschätzung würde wieder zunehmen.

Text JK

Abgeklebt

Abgeklebt

Neulich frühmorgens saß ich im Linienbus zufällig gleich vorne rechts beim Fahrer und hatte so freien Blick auf das Armaturenbrett vor ihm. Dort war das dauerhaft gelb leuchtende Symbol eines Motors mit einem Klebestreifen verdeckt. Die Aufforderung, dringend eine Werkstatt aufzusuchen wurde hier nicht nur einfach ignoriert sondern aktiv ausgeblendet. Weiterfahren, einfach weiterfahren! – Bis dann irgendwann plötzlich mitten auf der Strecke…

Das erinnerte mich an eine Postkarte, die mir ein lieber Mensch in der Zeit um mein Abitur herum zusendete, eine Zeit, in der für mich so gar nicht klar war, wie es denn nun weitergehen sollte. Auf der Karte war zu lesen: „If I ignore the future, maybe it will go away.” Ein wenig beruhigte mich damals der Spruch auf der Karte. Einfach gar nicht an das Problem denken, weiter Party machen und hoffen, dass es sich in Luft auflöst. In gleicher Richtung formuliert der Kölner Volksmund: „Et hätt noch immer jot jejange!“ Kein Handlungsbedarf, es wird schon gut gehen.

Gehen wir alle heute mit unserer Zukunft auch so um? Es gibt Warnungen genug, auf die Dringlichkeit zu handeln wird allerorten hingewiesen, aber die meisten von uns machen lieber einfach weiter wie bisher.

Klimawandel? Artensterben? Plastikmüllflut? Wir fahren weiter mit dem Auto oder SUV, fliegen weiter in den Urlaub oder kreuzfahren über die Meere und lassen uns beim Händler um die Ecke selbstverständlich dieEinkäufe in eine neue Plastiktüte stecken.

Es ist wohl besser für unser aller Zukunft, wenn wir daran schleunigst etwas ändern. Einfach mal anfangen, jeder bei sich im persönlichen Rahmen, dann können sich daraus in der Summe große positive Veränderungen ergeben!

Text JK

SCHWEINEFLEISCH AM TROCKENSEE

SCHWEINEFLEISCH AM TROCKENSEE

Gedicht anlässlich der nur Schweinefleisch- und Zuckerkuchen-Verköstigung beim Sommerfest am fast ganz ausgetrockneten Wald-See am 1.9.2019

Kommt. Leute, lasst´ uns Wandlung schaffen,
´ne Wirtschaftsform, die nicht zerstört –
den Wahnsinn nicht mehr stumm begaffen,
gemeinsam wird man auch gehört!

Mensch, Leute, verringert euren Fleischkonsum –
das tut dem Klima gut.
Denn auch Fleisch bringt´s Klima um –
dazu habt ihr doch den Mut?

Gewohntes auch mal zu verändern –
mehr Erbsen, Linsen Bohnen –
damit nicht bald in fernen Ländern
statt Wald nur Sojabohnen wohnen!

Gewohnheiten sind oft – wie zu viele Sachen –
Dinge, die nicht nur dem Klima 
echt zu schaffen machen!

Froh und glücklich  – das ist prima! –
woll´n wir leben und gesund.
Was schafft wirklich tiefe Freude? 
Kein Einheits-Grau – wir lieben´s bunt.

Manches, das uns sehr erfüllt,
wie Schnacken, Tanzen, Singen – 
auch die Natur als Wohltat fühlt – 
so kann ihr Schutz gelingen.

Kaum was braucht´s aus ihrem Bauch –
kaum Öl, kein WLAN und kaum Geld.
Lassen ist ein guter Brauch
und ein Segen für die Welt!

Marian René Menges