Wasserbüffel. An was denkst Du da als erstes? Ich habe automatisch das Bild eines großen schwarzen Tieres mit verdammt großen Hörnern vor Augen, das mit seiner großen Herde durch eine versumpfte Steppe stapft. Ganz sicher nicht würde ich damit rechnen, dass sich eine nicht grade kleine Herde in der Nähe von Pinneberg tummelt.
Aber man lernt ja nie aus: es gibt sie tatsächlich. 19 junge Fersen im Alter zwischen einem und drei Jahren beweiden und pflegen eine Ausgleichsfläche im Norden des Kloevensteens. Die Fläche eignet sich besonders gut für die jungen Wasserbüffel, da sie sich bis zum letzten, sehr trockenen Jahr immer wieder in eine Sumpflandschaft verwandelt hat. Normale Rinder sind zum einen sehr schwer, wodurch der Boden stark verdichtet wird, zum anderen fühlen sie sich im Matsch bei weitem nicht so wohl wie die Büffel. Durch die Form der Wasserbüffelhufe wird der Boden zudem wieder aufgerissen. Auf den Tieren lastet eine weitere Hoffnung: die Weidefläche ist über und über mit Binsen bewachsen, die normale Rinder verschmähen. Dadurch verdrängen die Binsen die übrige Pflanzen- und daraus folgend auch die Tierwelt. Für die Wasserbüffel sind die jungen Binsen dagegen ein Leckerbissen, an dem gern geknabbert wird. Sollten sie dadurch in Schach gehalten werden können, könnte sich auf der Ausgleichsfläche der Stadt Pinneberg wieder zu einem vielseitigen Lebensraum werden.
Am Samstag, den 1. Juni fand gemeinsam mit dem Regionalpark Wedeler Au ein Tag der offenen Weide statt. Neben der Möglichkeit, die Wursterzeugnisse zu probieren, konnten die Besucher das Areal erkunden und auch die Herde näher kennen lernen. Begleitet wurde man dabei von den Besitzern der Herde, der Familie Petr. Die Tiere stehen größeren Menschengruppen etwas skeptisch gegenüber, sind allerdings auch sehr neugierig, wodurch sich dann auch die Chance für uns ergab, mal einen Wasserbüffel zu streicheln. Das Fell ist erstaunlich hart und von der Struktur vergleichbar mit der eines Pferdeschweifes. Macht man ja nun auch nicht alle Tage…
Kuscheltiere sind Wasserbüffel aber nicht. Die Hörner wachsen zwar erst mit der Zeit, doch auch die kleinen Hörner der jungen Fersen können ganz schön weh tun. Die Büffel äußern ihren Unmut gegenüber ihren Artgenossen durch Kopfstöße. Durch ihre starken Schädelplatten, einen stabilen Brustkorb und die 2 Zentimeter dicke Haut sind sie dagegen gut gewappnet – wie es bei Ihnen dagegen aussieht, wissen Sie ja selber. Daher sollte man nicht vergessen, dass man es mit Fluchttieren zu tun hat.
Für den Besuchstag waren die Tiere in den vorderen Bereich des Areals gebracht worden, hatten aber genug Platz, der Besuchergruppe aus dem Weg zu gehen oder auch ein ausgiebiges Matschbad zwischendurch zu nehmen.
Wie heißt es so schön: wenn es kommt, dann alles auf einmal! Das traf auf jeden Fall auf Samstag, den 25. Mai zu. Nicht nur fand zum zweiten Mal das Wedeler Repair Café statt, auch in der Wedeler Kulturnacht öffneten Wedeler Institutionen ihre Türen für zahlreiche Besucher. Wedel im Wandel und seine Netzwerkpartner durften dabei natürlich nicht fehlen. Und da ja nicht nur in Wedel der Bär los sein kann, fanden am Vormittag in Halstenbek die Naturtage statt.
Auf den Halstenbeker Naturtagen haben unsere Netzwerkpartner Regionalpark Wedeler Au und Sheetkladde ihre Arbeit präsentiert. Zwischen NABU, Imkerverein und Pflanzenverkaufsständen haben sie natürlich gut ins Bild gepasst. Auch wenn es zwischenzeitlich öfter nach Regen aussah und ab und an die Banner vom Winde verwehten war es ein erfolgreicher Morgen, zumindest was das Netzwerken angeht. Die Fahrradkarte des Regionalparks, mit der man das ganze Gebiet hervorragend erkunden kann, war sehr gefragt. Auch Sheetkladde war mit dem Vormittag zufrieden. Vor allem für Bene, Leiter des Projekts und angehender Lehrer, war es spannend, auf mehrere Lehrer*innen zu treffen, die von dem Projekt gehört hatten und es selber mit ihren Schülern ausprobieren wollten. Die Spenden, die Sheetkladde für ihre Recyclingblöcke erhielt, kamen heute dem Regionalpark zugute.
Gegen 17 Uhr ging es in der Stadtbücherei Wedel weiter. Für Wedel im Wandel hielt Ute mit tatkräftiger Familienunterstützung die Fahnen hoch, flankiert wurde sie von Sheetkladde, die zum Glück flexibel auch am Wedel im Wandel-Stand einsetzbar waren.
Die Installation am Stand war auf jeden Fall ein Blickfang: jede Wandelgruppe und bereits erfolgreich stattgefundene Veranstaltungen hatten ihren Platz an den Leinen gefunden, die zwischen wunderbar verwitterten Ästen gespannt waren. Auf einem Flipchart konnten die Wedeler*innen ihre Wünsche für Wedel äußern und sich natürlich auch miteinander und uns austauschen. Wir hoffen, einige von ihnen bald bei einem Freitagstreffen wieder zu sehen!
Die Kulturnacht war eine tolle Möglichkeit, sich im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit auszuprobieren. Neben Anregungen der Wedeler Bevölkerung haben wir auch gelernt, was wir noch brauchen könnten, um uns besser zu präsentieren. Es gibt immer was zu tun, darum werden wir auch hier so weitermachen wie bisher:
8 Uhr morgens. Wedel. Langsam füllt sich der Platz vor dem Rathaus. Auf der Suche nach bekannten Gesichtern begegnet man einigen, die man schon aus dem Vorjahr oder aus dem Jahr davor oder aus dem Jahr davor kennt. Die 25. Fahrrad-Sternfahrt – für viele bereits Tradition. Es werden Fähnchen verteilt. Doppelseitig bedruckt. Fahrrad Sternfahrt steht auf der einen Seite, Hamburg gibt Acht auf der anderen. Es ist ja schließlich mehr als eine nette Fahrradtour mit vielen netten Leuten. Es ist ja eben eine Demonstration. Für mehr sicheren Fahrradverkehr in Hamburg. Für klimafreundlichen Verkehr. Die Fahnen zeigen: Wir gehören zusammen. Wir stehen gemeinsam für etwas ein. Und die läutenden Klingeln verraten: Wir haben sogar Spaß dabei.
Eine kleine Sicherheitsanweisung noch: Zusammenbleiben und wer eine Panne hat fährt rechts ran. Und dann ist es 8:15. Die Polizei fährt voraus und macht die Straße für uns frei. Das Wetter ist schön und die Laune ist gut, als wir den Wedeler Rathausplatz dann pünktlich verlassen. Ca.70 Kilometer liegen vor uns. Aus allen Teilen Hamburgs und umliegenden Orten kommen Fahrradfahrer sternenförmig auf das Zentrum zugefahren. Dabei ist wohl am wichtigsten: jeder eben so wie er kann. Ein Stück der Route mitzufahren reicht völlig. Dann ist ein Zeichen gesetzt und man hat vielleicht nette Menschen kennengelernt. Denn unter Fahrradfahrern versteht man sich.
Foto: JK
Ein gemütliches Tempo lässt die Kilometer bis nach Blankenese vorbeifliegen und am Bahnhof Blankenese schließen sich viele laute Klingeln unserem Zug an. Nun sind wir schon richtig viele Menschen. Die ersten Musikboxen wummern im Hintergrund. Spannend, was man sich einfallen lassen kann, um auf keine musikalische Begleitung beim Radfahren verzichten zu müssen. Mehr Menschen, mehr Gesichter, lautere Klingeln, mehr Stimmen, aber vor allem mehr Fahrräder und interessantere Konstruktionen. Liegeräder in allen Formen und Farben, Tandems, Rennräder, E-Bikes, Roller, Mountainbikes, Hollandräder, Einräder, Hochräder, und eben jene Fahrräder, die aussehen, als hätten sie schon viele Stunden im Regen verbracht. Ein Paradies für jeden Fahrradliebhaber. Hier gibt es auf jeden Fall genug zu sehen. Und man braucht ja nur mal nachfragen, denn hinter fast jedem Fahrrad steckt eine Geschichte. Und wer nicht reden will, der fährt einfach so vor sich hin. Denn das ist ja das schöne am Fahrradfahren.
Am Altonaer Balkon wird es dann richtig voll. Menschen stehen an ihren Fenstern und winken uns zu und wir winken den Autofahrern zu, die, vielleicht ein bisschen genervt, an den Kreuzungen stehen und nicht weiterkommen. Mittlerweile sind es so viele Menschen, dass es gar nicht mehr möglich ist zu sagen, ob man weiter vorn oder weiter hinten ist. Überall nur Fahrradfahrer. Überall Menschen. Und dann tritt immer wieder ein unter Autofahrern bekanntes Phänomen auf: Stau. Bei so vielen Fahrrädern gibt es nun also Fahrrad-Stau auf den Straßen Hamburgs. Doch die kleinen Pausen werden genutzt um ausreichend zu trinken und das mitgebrachte Brot zu essen. Desto länger wir stehen, desto länger stehen die Autos und das ist schließlich Teil des Plans. Und beim Stehen kann man sich die Plakate und Sprüche gut anschauen, die auf Fahnen und Fahrrad-Anhängern geschrieben sind.
Foto: JK
Und da fällt auf, eine Person ist doch immer dabei, wenn es um Klimaschutz geht. Riesengroße grüne Buchstaben betiteln die Fahrräder als „Greta than cars.“ Orientiert an der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, spielt der Slogan mit ihrem Namen und dem englischen Ausdruck „greater“, also besser. Und die Highlights der Strecke von Wedel nach Hamburg kommen ja noch. Denn die Erfahrung mit dem Fahrrad über eine gesperrte Autobahn zu fahren nehmen alle gerne mit. Hier rollt es auch gleich viel besser, die Straße ist breit, es ist genug Platz für alle da. Zum Ende der Strecke dann die Köhlbrandbrücke. Hoch wird geschoben, denn eine Baustelle verengt die Fahrbahn und verursacht Stau. Doch beim Runterfahren rollt es dann umso besser. Zu der Kundgebung um 15 Uhr auf dem Rathausmarkt in Hamburg kommen wir trotzdem ein wenig zu spät. Vielleicht standen wir dann doch ein bisschen zu viel, gerade zum Ende hin. Aber wirklich ärgern tut sich keiner.
Fahrrad-Sternfahrt. Bei gutem Wetter ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden. Alle für den guten Zweck. Und nach einigen Kilometern Fahrrad fahren kann man auch schonmal stolz auf sich sein. Ich bin stolz auf uns. Und ich bin auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder dabei. Weil mit hübschen Plakaten auf die Straße gehen kann jeder. Aber sieben Stunden Fahrrad fahren und sieben Stunden den Hamburger Autoverkehr erschweren, dass kann nur die Hamburger Fahrrad-Sternfahrt.
Text: FS
Sternengucker
Stellt Euch vor, Ihr steht am Strassenrand und wollt die Fahrbahn überqueren. Der Verkehr ist aber so dicht, dass Ihr keine Lücke ausmachen könnt, in der Ihr mal eben rüberflitzen könntet. Es ist wie ein kontinuierlicher Strom aus Fahrzeugen, der scheinbar nie versiegen will. Weit und breit gibt es weder Zebrastreifen noch Fußgängerampel, die Euch helfen könnten. Merkwürdig erscheint Euch, dass dieser Fluss aus Fahrzeugen keine lauten Fahrgeräusche macht und nicht stinkt und alle Fahrzeugführer freundlich dreinschauen. Ein Traum? Nein! Genau so ist es mir heute mitten auf der Köhlbrandbrücke ergangen.
Foto: JK
Heute, am 2019-06-16, war große Fahrradsternfahrt. Und aus diesem Anlass durften Fahrradfahrer ausnahmsweise in einer Richtung die Köhlbrandbrücke befahren. Jene große Brücke über den Köhlbrand, die sonst ausschließlich Kraftfahrzeugen, also stinkenden Lastern und lauten Autos vorbehalten ist.
Einen herrlichen Ausblick hat man als Radfahrer von dort oben über Stadt und Hafen.
Mit den ersten Polizisten auf Fahrrädern war ich vor dem großen Fahrräderstrom bereits ganz oben auf der Brücke. Und dann kam um 13:25h der Pulk die Steigung hinauf. Erstaunlich, wie viele Menschen aus Hamburg und Umgebung dem Aufruf zur Fahrradsternfahrt gefolgt sind und sich trotz des über den Vormittag immer grauer werdenden Wetters dem Zug angeschlossen haben und so nun die Köhlbrandbrücke erfahren. Viele zücken spontan Ihr Handy um mit der eingebauten Kamera einen Blick von hier oben einzufangen.
Ich stehe neben einem Polizisten am Fahrbahnrand und bin einfach nur erstaunt darüber, dass dieser Pulk nicht enden will. Schon bin ich versucht zu denken, dass es sich immer wieder um dieselben Fahrradfahrer handelt, die irgendwie immer im Kreis fahren. Aber das lassen die Gewässer da unten gar nicht zu! Es sind tatsächlich soo viele. Es sind alle Arten von Fahrrädern dabei: normale alltagstaugliche Fahrräder, Kinderfahrräder, Liegeräder, Tandems, Einräder, Falträder, selbstgebaute Fatbikes, sportlichste Rennräder, Rennrollstühle, doppelt hohe Fahrräder, E-Bikes, stromlinienförmig vollverkleidete Bikes, Tretroller, Lastenfahrräder, Mountainbikes, Fahrräder mit Anhängern (beladen mit Kindern, Hund, Getränken, einer ganzen Discothekensoundanlage oder Demontrationstransparenten) und Polzeifahrräder. Und genauso vielfältig verschieden wie die Räder sind auch deren Fahrer.
Foto: JK
Erst um 14:30h werde ich zusammen mit den letzten Radlern sozusagen vom Besenwagen der Polizei freundlich von der Brücke gefegt und die Köhlbrandbrücke gehört endlich wieder den Autos. Nun stimmt mit der Stadtsilhouette wieder alles.
Dieser über eine Stunde andauernde kontinuierliche Strom aus Fahrradfahrern und ihren Fahrrädern hat mich sehr beeindruckt.
Ich hoffe sehr, dass dieses Großereignis von Medien, Politik und Verwaltung wahrgenommen wird und man erkennt, dass es sehr viele Menschen mit dem Fahrradfahren ernst meinen und dieser sehr umweltfreundlichen Großdemonstration bald verkehrspolitische Konsequenzen folgen.
Text und Bilder: JK
Die Fahrradsternfahrt fiel auf den letzten Tag des Wedeler Stadtradelns. Was für ein Glück für unseren Kilometerzähler!
Ein essbares Wedel – regional, gemeinschaftsfördernd und ökologisch vertretbar:
Was ist eigentlich noch essbar?
Beim Einkaufen von Lebensmitteln in Wedeler Supermärkten entsteht bei mir vor den Obst- und Gemüseregalen meistens Frust und Ratlosigkeit. Blaubeeren aus Marokko, Avocados aus Peru und als Krönung der Absurditäten: Äpfel aus Neuseeland – und das mitten im größten Apfelanbaugebiet Europas. Ein Gang zum Bio-Regal macht es dann auch nicht besser: Alles doppelt in Plastik verpackt, die Herkunftsgebiete vergleichbar abenteuerlich…
Es drängen sich mir weitere Fragen auf: Was davon kann ich noch mit gutem Gewissen kaufen? Was ist schlimmer: Die in Plastik eingeschweißte Bio-Gurke aus Spanien, oder die unverpackte konventionell Angebaute aus den Niederlanden? Wie wurde dieses Grünzeug produziert? Mit welchem Verkehrsmittel kam es angereist? Welche Gifte wurden verwendet für Produktion und Konservierung? Was davon gehört eigentlich auf den Sondermüll und was davon ist eigentlich noch essbar? Alles Fragen, die mir im Supermarkt natürlich kein Mensch beantworten kann.
Wenn man sich solchen Fragen zu sehr hingibt, geht man am Ende mit einem leerem Einkaufskorb aus dem Geschäft und fragt sich, wo das noch hinführen soll…. Wie kann es sein, dass ich Lebensmittel kaufen will und den Supermarkt mit einem unguten Gefühl und einem schlechten Gewissen wieder verlasse?
Sollte es nicht vielmehr so sein, dass es die Regel sein sollte mit einem angenehmen Gefühl und einem guten Gewissen einkaufen zu gehen? Dass die fragwürdigen Produkte in einem Supermarkt eher die Ausnahme und nicht die Regel sein sollten?
Schließlich sind es Lebensmittel, also Mittel zum Leben, die mich mit energiespendenden Vitalstoffen versorgen und mich nähren sollen – und mich nicht in eine Sinnkrise stürzen sollten.
Mein Körper sollte sie zu meinem Besten verstoffwechseln, mich belastbar und leistungsfähig erhalten und schließlich in meinen Körper integrieren – und ihn dabei nicht vergiften. „Du bist, was du isst!“ Was das bedeutet, ist mir in den letzten Jahren immer bewusster geworden, und so bleibt mein Einkaufskorb im Supermarkt immer häufiger leer….
Es scheint, als hätten wir komplett den Kontakt zu dem, was uns eigentlich ernähren und nähren sollte, verloren.
Aber: Wir brauchen gute und gesunde Lebensmittel um gesund zu bleiben, gesunde Gedanken zu haben und unsere Kinder gesund aufwachsen zu lassen. Und letztlich braucht auch unsere Umwelt und jedes fühlende Lebewesen einen gesunden Umgang mit unserer Nahrung, damit wir nicht bald eine von nur noch wenigen Spezies auf dieser Erde sind und unser Planet noch eine Weile lebenswert bleibt – ja, vielleicht sogar wieder regenerieren und gesunden kann.
Was kann die Lösung dieses Wahnsinns sein? Was kann ich dazu beitragen? Was sind die Alternativen? Eine Kiste vom Bio-Bauernhof des Vertrauens oder der Kauf beim örtlichen Bio-Laden oder bei Erzeugern in der Umgebung ist sicher ein guter Anfang. Oder lieber gleich selbst anbauen?
Das braucht Zeit, Liebe, Sachverstand und Geduld und nicht zuletzt auch ein Stückchen Erde, das sich zum Anbau eignet. Die meisten von uns haben jedoch zu wenig Zeit, Lust, Energie und Freude, sich dem Thema Eigenanbau zu widmen oder schlichtweg keinen Platz dafür.
Daher die Idee: den regionalen, gemeinschaftsfördernden und ökologisch vertretbaren Anbau von Lebensmitteln im öffentlichen Raum fördern
Auf der Suche nach regionalen Ideen und Lösungen schauten wir Wedel-im-Wandler*innen uns mal ein wenig um und stellten fest, dass es in Wedel doch Einiges zu entdecken gibt.
Schulgärten, Kita-Beete, die Streuobstwiese und viel essbares Grün im öffentlichen Raum. Wir entdeckten zahlreiche angepflanzte Wildblumenbeete, städtische Obstbäume und Beerensträucher und zwei Kräuterbeete in der Bahnhofstraße. Schließlich kamen wir darüber auch mit der Stadtverwaltung ins Gespräch. Denn auch hier wird nach Lösungen gesucht, seitdem das Massensterben von Insekten in aller Munde ist.
Die städtischen Früchte sind inzwischen durch unsere Anregung von der Stadtverwaltung auf einer Karte eingezeichnet und veröffentlicht worden, so dass jedermann und -frau in Erfahrung bringen kann, an welchen Stellen unserer Stadt dieses regionale und unbelastete Obst frei geerntet werden darf.(https://www.wedel.de/rathaus-politik/stadtverwaltung/stadtentwicklung/klimaschutzmanagement/kostenlos-naschen-uebersichtskarte-zu-den-staedtischen-obstbaeumen.html)
Andere Kommunen gehen inzwischen noch weitere Schritte und bepflanzen öffentliche Flächen und Beete mit essbaren Gemüsesorten und Kräutern: Tomate, Kartoffel und Zucchini für alle zugänglich und nutzbar. Das sorgt nicht nur für eine Hinwendung zu regionalem Anbau und macht für alle sicht- und erlebbar, wie unsere Nahrungsmittel angebaut werden, wachsen und gedeihen, sondern es bringt auch die Menschen zusammen: Der Polizist, der auf dem Beet vor der Polizeiwache die Tomaten gießt, trifft auf die alte Dame, die sich dort für ihr Mittagessen ein paar Bohnen erntet. So kommt man dann ins Gespräch.
Genau das wollen wir auch für Wedel! Einen ersten Schritt in diese Richtung machten wir schon im letzten Spätsommer (2018) auf dem Spielplatz am Hans-Böckler-Platz. Dieser Spielplatz verfügt über eine Wasserpumpe, eine wichtige Voraussetzung, wenn man Gemüse und Kräuter auf dem Spielplatz anpflanzen will. Denn die Wasserversorgung ist auf diese unkomplizierte Weise gewährleistet. So braucht man nur noch eine kleine Gießkanne. Und Blumengießen aus der Wasserpumpe macht den Kleinen und den Großen Spaß.
Gemeinsam mit der Stadt Wedel, dem Kinderschutzbund und unserer Arbeitsgruppe „Wedel – genial, grün, essbar“ installierten wir dort zwei Hochbeete, die nun mit Kräutern und Gemüse bepflanzt sind und von großen und kleinen Menschen aus der Nachbarschaft gepflegt und beerntet werden. Das funktioniert immer besser, wie wir Anfang Mai bei einer Neubepflanzungsaktion am Hans-Böckler-Platz festgestellt haben. Für diese Aktion hatten wir nämlich Menschen aus der Nachbarschaft eingeladen und kamen vor Ort mit einigen Hochbeetpfleger*innen ins Gespräch. Auch einige neue Helfer*innen konnten wir zum Mitmachen motivieren. Wie wunderbar!
Am 22. Mai 2019 folgte die zweite Hochbeet-Aktion auf dem kleinen Spielplatz am Anne-Frank-Weg. Gemeinsam mit den Nachbar*innen und Kindern des Wohngebietes wurden hier zwei neue Hochbeete mit Kürbis, Zucchini, Tomaten und Co. bepflanzt.
Jedes Mal, wenn ich jetzt dort vorbeischaue, kann ich sehen, dass die kleinen Pflänzchen frisch gegossen sind. Die Hochbeete wurden also schon „adoptiert“.
Das ist es, was mich am allermeisten freut: unsere Idee scheint zu funktionieren.
Und es soll noch weitergehen. Es gibt noch mehr Spielplätze mit Wasserpumpen und Familien in Wedel, die sich über ein Hochbeet mit essbarem Grün vor ihrer Haustür freuen würden. Und es gibt noch viele Beete, die noch mit wenig Brauchbarem für Mensch und Tier bepflanzt sind und nur darauf warten, entdeckt und neugestaltet zu werden.
Mögen also noch viele weitere Hochbeete folgen. Möge die Stadt mehr essbare Beete im öffentlichen Raum gestalten, mögen sich immer mehr Wedeler und Wedelerinnen engagieren und möge die Vision einer essbaren Stadt Wedel auf vielfältige Weise Gestalt annehmen.
Darüber hinaus freuen wir uns über jede gute Idee und Anregung, wie wir den regionalen, gemeinschaftsfördernden und ökologisch vertretbaren Anbau von Lebensmitteln vorantreiben können.
Nimm Kontakt zu uns auf und bereichere unsere Arbeit mit deinen Beitrag zum nachhaltigen Leben. (info[ät]wedel-im-wandel.de)
Bei herrlichem Sommerwetter zeigte sich am 18. Mai der Haidehof von seiner ganzen Idylle. Am Tag der offen Tür stellte sich das neue Projekt der „Regenerativen Landwirtschaft“ vor.
Schon ganz bald können hier erzeugte Nahrungsmittel samstags im Hofladen erstanden werden. Es soll auch die Möglichkeit geben, eine Gemüsekiste zu beziehen, die am Haidehof und einem anderen Standort wöchentlich abgeholt werden kann. Schon heute konnten vorgezogene Tomatenpflanzen für den eigenen Garten erworben werden. Es standen die unterschiedlichsten Sorten zur Auswahl. Tomaten müssen doch wirklich nicht nur rot und rund sein…
Kaffee, Wasser, Saft und Kuchen gegen Spende standen für alle Besucher bereit. Man konnte über den Hof schlendern, sich alles anzuschauen oder sich ein ruhiges Plätzchen suchen und ein wenig klönen. Natürlich gab es die Möglichkeit, sich einer der Führungen zu den Gemüsefeldern anzuschließen und etwas über das Projekt zu erfahren. Ich habe es wie folgt verstanden:
Das Konzept die „Regenerative Landwirtschaft“ hat es zum Ziel, dass der Boden durch die Bepflanzung über die Jahre an Qualität gewinnt und nicht verliert. Dabei kommen natürlich keine künstlichen Dünger zum Einsatz. Auch wird der Boden nicht im herkömmlichen Sinne bearbeitet. Denn durch ein Umbrechen oder Pflügen werden die Bodenlebewesen empfindlich gestört. Die Wurzeln werden nach der Ernte im Boden belassen und der Boden mit nicht benötigen Pflanzenteilen gemulcht. Dieses wirklich nachhaltige Gärtnern haben sich die Quereinsteiger durch Mitarbeit in vergleichbaren Projekten rund um den Globus angeeignet. Auch hilft ein weltweites Netzwerk beim Austausch und suchen von Problemlösungen.
In einem derzeit noch provisorischen Gewächshaus werden die Gemüsepflanzen vorgezogen, bevor sie in die 10 m langen und 5 m breiten Beetstreifen gepflanzt werden. Dabei werden die Pflanzen möglichst dicht aneinandergesetzt, so dass Unkräuter nicht gut dazwischen hochkommen und nicht so viel Feuchtigkeit verdunstet. Die Bewässerung erfolgt mit Sprinkleranlagen. Jeder Standort hat seine Besonderheiten und nun gilt es für die derzeit zwei fest angestellten Gärtnerinnen herauszufinden, wie sie die optimalen Bedingungen für das Gemüse schaffen können. Ziel ist es, in drei bis vier Jahren schwarze Zahlen zu schreiben und die gängigen Gemüse im Sortiment zu haben.
Die ersten Kühe mit ihren Kälbern sind auch schon da. Sie werden in kurzen Abständen umgeweidet, damit sich das Gras regenerieren kann. Sobald der mobile Hühnerauslauf genehmigt ist, soll er den Kühen folgen. Die Hühner werden dann die Kuhfladen auseinanderscharren, sich an den Maden und Käfern erfreuen und den Mist gleichmäßig verteilen. Dadurch wird der Weideboden sukzessive verbessert.
Es handelt sich bei der regenerativen Landwirtschaft als um keine eigene Methode, sondern stellt den Versuch dar, einen optimalen und echten nachhaltigen Anbau von Lebensmitteln zu ermöglichen. Dabei fließen Elemente der Permakultur, dem Ökolandbau und weiteren Richtungen mit ein.
Ein super spannendes Projekt und ich drücke allen Beteiligten die Daumen für ein erfolgreiches Gelingen!